Quelle
Eine Utopie unseres 15jährigen Sohnes:
Eine Gesellschaft, in der kein Mensch mehr arbeiten muß und dennoch alle genug von dem haben können, was sie sich wünschen. Die Menschen sind dann frei von Zwängen, es gibt keine Gründe für Kriege, Verbrechen, Not und Leid mehr. Was sie tun, tun sie aus freiem Willen, weil sie es für sinnvoll halten. Auch wenn einer wenig tut/gibt, aber viel verbraucht/nimmt, entsteht kein Problem der Verteilungsgerechtigkeit, weil es ja keine knappen Güter mehr gibt. Respektiert werden muß “nur” die Freiheit der anderen. Gesetze, Staat, Politiker usw. können abgeschafft werden.
Uff. Ich war sehr beeindruckt, hatte ich doch am selben Vormittag angesichts der ganzen Fukushima / Energie / Nachhaltigkeits- undsoweiter Debatte folgenden Gedanke gehabt: Wir sind die erste Generation, die ihren Kindern besser nicht ohne Weiteres wünschen sollte: “Euch soll’s mal besser gehen als uns”. Weil schon im Leben unserer Kinder der Punkt erreicht sein könnte, wo dies ihr eben Leben nicht mehr verbessern, sondern das Gegenteil bewirken könnte. Verbesserung im Sinne höherer Lebenszufriedenheit, weniger Pflicht mehr Kür, mehr Freiheit also, in dem Sinne wünschen wir als Eltern ihnen natürlich weitere Verbesserungen.
Habe nun also fleissig Umschau gehalten und meinem Sohn dann einen Artikel ausgedruckt, den ich auf den Seiten der Uni Gießen fand.
Und ich bin auf den blogs von mayarosa + nixzen noch auf einen ganz anderen Aspekt von Freiheit gestoßen. Nicht “nur” die äußere Freiheit von (u.a.: Erwerbs-) Zwängen, auch innerliche Freiheit, Individualität, Grenzenlosigkeit wird da angesprochen. Ich will das jetzt hier nicht ausführlich zitieren, schaut einfach mal dort und beteiligt Euch vielleicht mit Kommentaren. Nur ein Gedanke meinerseits dazu: Auch das innere Streben nach Freiheit (Emanzipation!) kann ja zum Zwang werden, wenn ich nämlich dadurch unfrei bin/werde, Bindungen einzugehen, die gut für mich und andere sind oder sein können.
Mir fiel noch ein Aspekt zur Freiheit ein: Freiheit wovon / Freiheit wofür?
Mal angenommen, ich hätte einen mich zufriedenstellenden Grad äußerer Freiheit von allen möglichen Zwängen erreicht (und lebte auch in einer Gesellschaft, die mir dies ermöglicht, die also nicht meine Freiheitsrechte einschränkt oder mich bedroht) – was bitte finge ich denn dann mit mir und meinem nennen wir es einmal “Aktionspotential” an.
Stöber stöber…
Und siehe da, auch dieser Gedanke ist nicht etwa mir allein gekommen (!), nein, 2 österreichische Sozialethiker berühren ihn im Zusammenhang mit der Diskussion über Für und Wider eines garantierten Grundeinkommens. “Die “Freiheit wozu” ist der Handlungsvollzug, durch den sich die Qualität der Selbstbestimmung, das Sinnziel der Freiheit, enthüllt. Sie bringt zum Ausdruck, ob überhaupt und wenn ja, in welcher Weise der Mensch durch die Initiative seiner Freiheit sein Leben selbst, Mitwelt und Umwelt mitverantwortet.” Dementsprechend offenbart dieser Gedanke die Bezogenheit der individuellen Freiheit eines Menschen “zu sich selbst, zu den vielen Nächsten, zur Natur und zur Gegenstandswelt”. (Quelle)
Nachdem ich ja im vorigen Beitrag ein wenig Liberalen- bashing betrieben habe (und es dabei sicher nicht bleiben wird), war ich ganz froh als ich diese Beiden deren Ehre wiederherstellen sah, in dem sie es als Grundziel
der Liberalen bezeichneten, den Menschen ein Maximum an Freiheit in allen Lebensbereichen zu sichern. (hat zwar wenig mit meiner bisherigen Wahrnehmung der Herren Westerwelle & co KG zu tun, aber nehmen wir mal an, anderswo auf der Welt gebe es noch Liberale, die dies so wollten.)
Liberal hin oder her – sehr richtig und wichtig scheint mir zu sein, daß individuelle Freiheit eine Zielvorstellung vom guten Leben mit sich, mit anderen Menschen und mit der Umwelt braucht.
Der Mensch wird am Du zum Ich. (Martin Buber)




